Weilerer Carneval-Verein schießt mit Jubiläumssitzung den Vogel ab

Von Jochen Werner
 
WEILER – Wenn sich Sitzungspräsident Ewald Lenhart in der pickepackevollen Narrhalla nach Mitternacht beim Publikum für die Stille während der Vorträge bedankt, dann heißt das vor allem eines: Einfallsreichtum und Qualität dessen, was die Redner und Gruppen auf die närrische Bühne brachten, passten zum 111-jährigen Jubiläum des Weilerer Carneval-Vereins. Der WCV bot fünf Stunden lang und begleitet vom Musikverein unter Leitung von Jörg Thommes eine perfekte Show, gespickt mit einer Vielzahl an Höhepunkten für Auge und Ohr, mit dem erwarteten Frontalangriff aufs Zwerchfell trotz manch ernstem Hintergrund. Kurz: Fastnacht, wie sie sein soll und nicht nur die absoluten Narren begeistert.
„Heinzje Haselmaus“ und Partnerfindungsprobleme
Urgestein Elmar Bootz hält sein Publikum auch zu später Stunde noch unwiderstehlich bei der Stange. „Schloofdoll“ war da noch nicht einmal der Elferrat. Bootz hatte nur das Problem, kein Thema für einen „langenuche Vortrach“ zu haben. Auch wenn er Probleme mit der Eulenbütt hatte, schaffte er es dennoch, sie flachzulegen. Motto: „Es is doch besser, sie guckt bleed, als der, der in ihr steht!“ Joe Vogt hatte zuvor als „Heinzje Haselmaus vum Weilerer Kreizwech“ brilliert, als armes Tier, das in Weiler wegen des Kindergartenneubaus niemand liebt, obwohl es noch niemand jemals gesehen hat. Die Unterschiede in der Erziehung gestern und heute waren inklusive.
 
 
Protokoller Gerhard Lautz hatte als Eisbrecher der Politik den Spiegel vorgehalten, dem „ungekrönten, verbal inkontinenten Twitterkönig“ genauso wie den Akteuren in Berlin, wo beim Hobeln mancher Spahn fällt und es im Dezember keinen Merz geben kann. Dr. Andreas Stipp „schinkte“ sich blöde Worte über diejenigen, die keine Tierprodukte essen, kam als „hausmachender Veganer“ glücklicherweise trotzdem nicht ganz ohne flache Witze aus, zeigte, wie ein Veganer „huppt“ und kam zu dem Schluss: „Als Veganer ohne Ruh hau ich mir die Hucke zu!“ In Bier, Wein und Schnaps gibt es jedenfalls kein Fleisch. Katrin Lenhart hatte gleich drei Gratulanten zum Jubiläum mitgebracht, begeisterte im perfekt gespielten Mix aus Wort und umgetexteten Liedern zusammen als direkt vom Popsofa gekommener Ricky, als Prinzessin, die es gerne geworden wäre, und als auf Werkseinstellung zurückgesetzte Daniela Katzenberger, die das Hemd der Liebe nicht gebügelt hatte. Oliver Biegner kam ihr zwischendurch als Ersatz-Prinz zu Hilfe.
Eine Überraschung für alle Stammgäste der Weilerer Fassenacht war Dorothee Hilberath, die in ihrem allerersten Vortrag überhaupt von Partnerfindungsproblemen eines Weilerer Mädchens parlierte, mit dem Ausgangspunkt: „In Weiler ist, was jeder weiß, dein Stammbaum auch mal schnell ein Kreis!“ Selbst geschrieben, in Mimik und Ausdruck, mit Selbstironie, Lokalkolorit und dem Gefühl für die Wortwahl perfekt, dazu auswendig vorgetragen. Klasse! Sie fand als WCVlerin die Lösung für ihr Problem im Nachbarverein CCW: „Durch einen Club-Mann wird vermieden, dass eine Ehe wird geschieden.“ Männer aus anderen Gemeinden kamen nie infrage, „denn aus Waldalgesheim ein Gatte, das stand niemals zur Debatte!“
 
 
Auf den beiden Thronstühlen hatte mit Lea I. und Michael I. das fünfte Weilerer Prinzenpaar Platz genommen. Seinen stilvollen Einzug geleitete die Wachkompanie, die als unverzichtbarer Bestandteil der WCV-Fastnacht auch den zweiten Programmteil eröffnete, und die Prinzengarde. Die Minigarde zu Beginn und die Prinzengarde als Abschluss bildeten ganz klassisch den tänzerischen Rahmen der grün-weiß-gelb-roten Feier. Die Showtanzgruppen erzählten jeweils eine eigene Geschichte. Die Schlümpfe tanzten ihre Lebensfreude auf dem Raddampfer in New Orleans heraus, die Capras ließen die Halle bei ihrem Freestyle-Vortrag schier Kopf stehen, die Prinzengarde entschied ihr Baseballspiel mit dem Homerun und Noctua tanzten sich mit Alice unwiderstehlich leicht ins Wunderland. Die Tornados, das Vorzeige-Männerballett des WCV, ließen als Bergsteiger auf ihrem Weg vom Basislager bis zum Gipfel mit einer spektakulären Show kaum Wünsche offen.
Bleibt noch eine Gruppe, die den WCV von den meisten anderen Vereinen unterscheidet: die Hofsänger. Der „wilde Haufen“ legte den Finger in die Wunde, zeigte als Binger Wald, wo es nicht nur in der Steckeschlääferklamm zwischen Bodmannstein und Belle Kreuz und in der Region hakt: „Oktoberfest in jeder Halle, Dauerparty wie auf Malle – ihr habt sie doch nicht mehr alle!“
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